Hilfe rund um Familie und Erziehung

Die Familien- und Erziehungsberatungsstelle rückt näher in die Stadt. Ab dem 24.04. steht das Beratungsteam in der Lannerstraße 3 für Ihre Fragen zur Verfügung.

Ständig schreiende Kleinkinder können Eltern und andern Bezugspersonen schon mal den letzten Nerv rauben. Oder die anstrengende Phase der Pubertät, durch die alle müssen: das pubertierende Kind selbst, aber auch die Eltern und Großeltern, Geschwister, Lehrer. In allen Entwicklungsstufen der Kindheit und Jugend kann es zu Konflikten kommen. Auch Schwierigkeiten innerhalb der Familie, wie zum Beispiel Krankheit oder Trennung, gehen nicht spurlos am Kind vorbei. Ein neutraler und respektvoller Gesprächspartner vom Fach kann in solchen Phasen hilfreich sein. 

Kostenloser Service

Hier setzt die Familien- und Erziehungsberatungsstelle (FEB) an: Ein kostenloses Angebot für alle Ingolstädter Familien. Wenn es in Kindergarten oder Schule zu Problemen kommt und die Eltern nicht wünschen, dass ihre Daten weitergegeben werden, können sich ErzieherInnen oder LehrerInnen bei der FEB Rat holen, ohne Namen zu nennen. „Erfolgversprechender ist es aber immer, wenn alle an einem Strang ziehen und auch die Eltern ihre Sichtweise mit einbringen, denn schließlich sind sie Experten für ihr Kind“, sagt FEB-Leiterin Jana Diesperger.

Selbstverständlich Vertrauenssache

Jedes Anliegen wird vertraulich behandelt – die Berater stehen unter Schweigepflicht. Am Anfang steht der Erstkontakt am Telefon. Sind Diesperger und ihr Kollege Rainer Ulherr im Beratungsgespräch, springt der Anrufbeantworter an. Schnell und zuverlässig ruft dann einer der beiden zurück. Einigen Eltern fällt es leichter, ihre Sorgen zunächst in einer E-Mail zu schildern. Auch hier rufen die Fachleute dann gerne zurück. Das erste Telefongespräch hilft bei der Sondierung: Was erwartet sich der Anrufer von der Beratungsstelle? Sind wir der richtige Ansprechpartner? Wer soll zum persönlichen Gespräch kommen? Manchmal kommen nur die Eltern zur Beratung, manchmal auch die ganze Familie. Einigen Kindern, insbesondere Jugendlichen ist es oft lieber, alleine mit einem Berater sprechen zu können. In Not- und Konfliktlagen können sie sich auch ohne die Eltern an die FEB wenden.

Umzug in die Lannerstraße

Die Beratungsgespräche finden ab dem 24. April vor allem in der Lannerstraße 3 im Ingolstädter Norden statt. Vorteilhaft ist seit dem Umzug die Nähe zum Stadtteiltreff Piusviertel, mit dem in diesem Jahr der gemeinsame Familienstützpunkt an den Start gegangen ist. Da ein Mitarbeiter zwei Tage pro Woche weiterhin in der Johann-Michael-Sailer Straße sein wird, bleibt aber auch die Verbindung zum bisherigen Standort erhalten.

Dabei stehen den Ratsuchenden zwei Experten zur Verfügung: Rainer Ulherr, Diplom-Sozialpädagoge und Diplom-Pädagoge, außerdem ausgebildeter Montessoripädagoge, seit September 2015 mit im Team und Diplom-Psychologin Jana Diesperger, die seit 2003 für die FEB arbeitet, deren Leitung sie vor drei Jahren übernommen hat. Sie ist zudem ausgebildete systemische Familien-, Paar- und Einzeltherapeutin.

Beziehungen im Mittelpunkt

Bei der Beratungsarbeit nehmen die Fachleute nicht nur die einzelne Person (z.B. das Kind, das Probleme in der Schule hat) in den Blick. Es wird auch immer darauf geachtet, in welchem Gefüge sich diese befindet. „Der Einzelne ist wie ein Teil eines Mobiles. Wenn das Mobile irgendwo angeschubst wird, bewegt sich alles“, erklärt Diesperger die mehrdimensionale Sichtweise der systemischen Therapie. Menschen leben immer in einem Geflecht aus Beziehungen. Wie man diese für die Lösung eines Problems nutzen oder die Beziehungen selber glücklicher gestalten kann, ist oft ein wesentlicher Bestandteil der Beratung. Beim systemischen Ansatz wird über die Person hinaus auch darauf geachtet, in welchem Gefüge sich diese befindet. „Oft kommen Eltern mit einem Problem zu uns und wollen wissen, woran es liegt. „Diese Frage kann und muss man gar nicht immer beantworten. Statt nach Fehlern und Schuld zu suchen, arbeiten wir lösungsorientiert“, erklärt die FEB-Leiterin. „Das heißt: Wir schauen gemeinsam, was helfen kann, welche Wege es aus der Problematik heraus gibt. Dazu gibt es kreative Methoden wie beispielsweise Aufstellungen mit Stofftieren oder den Lebensfluss, der anschaulich mit Seilen ausgelegt wird. Besonders bei Kindern wenden Diesperger und Ulherr gerne auch Fantasie-Reisen oder Entspannungsverfahren an. „In der Erziehung gibt es keine Patent- und Dauerlösungen. Wir Berater müssen deshalb genauso kreativ sein wie die Familien selbst“, sagt Diesperger schmunzelnd.

Typische Erziehungsfragen

Doch es gibt auch typische Fragen, die immer wieder auftauchen, etwa: „Wie kann ich konsequenter sein?“ oder „Entwickelt sich mein Kind altersgemäß?“ Auch Erziehungsdifferenzen zwischen den Eltern kommen vor. Es gibt aber auch Familien, die einfach mal mit einer neutralen Person über ein Erziehungsproblem reden wollen. „Etwa, wenn jeder reinredet – der eine sagt, man erziehe zu lasch, der andere wiederum behauptet, man sei zu streng“, so Diesperger.

Auch zum Thema Trennung suchen viele Rat bei der FEB – etwa mit Fragen: „Wie und wann sage ich es meinem Kind?“ Stieffamilien stehen ebenfalls oft vor ganz typischen Problemen -  zum Beispiel, wenn nach einer guten Anlaufphase dann plötzlich doch der Satz fällt: „Du hast mir gar nichts zu sagen!“

Je früher, desto besser

Die meisten Beratungsanfragen tauchen im Kleinkind- und Grundschulalter auf. Anlass der Beratung sind vor allem Entwicklungsauffälligkeiten, Schulprobleme und Erziehungsfragen. Je früher sich Ratsuchende Hilfe holen, desto besser. Stellt man einen Förderbedarf fest, lässt sich bei kleinen Kindern auf spielerische Weise noch sehr viel bewirken – und zwar noch bevor die Kinder prägende Misserfolge erlebt haben. Mit bewährten Verfahren testen die Experten zum Beispiel intellektuelle Fähigkeiten, Feinmotorik und Wahrnehmung, Lese- und Rechtschreibung sowie mathematische Fähigkeiten. „Die Diagnostik ist abwechslungsreich und macht den meisten Kindern Spaß“, weiß Diesperger. Keine Scheu also – die sympathischen Berater haben immer ein offenes Ohr für Sie. „Wir nehmen uns Zeit für jeden Einzelnen“, so Diesperger. Einfach anrufen unter der Telefonnummer 0841 – 4913-165 oder 0176 4595942.

[Text: Nicole Kraß]